Anleitung: Schwebestativ richtig einstellen/ ausbalancieren

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Die viele Personen, die das erste Mal ein Schwebestativ/ eine Steadycam/ Glidecam/ Flycam (es gibt viele verschiedene Ausdrücke) erworben haben, Probleme mit dem Balanciervorgang haben, hat sich Gimbal Guru entschlossen einen ausführlichen Bericht über dieses Thema zu verfassen. Wer die Anweisungen und Tipps befolgt, wird auch die gewünschten Ergebnisse mit seiner Steadycam erzielen. In den folgenden Absätzen werden alle wichtigen Kriterien ausführlich beschrieben.

Kamera vorbereiten

Bevor man sich überhaupt mit dem Schwebestativ beschäftigen kann, muss zuerst die Kamera richtig eingestellt werden. Warum das so wichtig ist, hat folgenden Grund: Schwebestative können wahre Wunder vollbringen. Ruhige und smoothe Kamerafahrten sorgen für Hollywoodreife Filmaufnahmen, jedoch sind sie auch extrem empfindlich. Bereits die kleinste Gewichtsverlagerung bringt das Schwebestativ aus der Balance und kann somit die Aufnahme zerstören. Deshalb muss auch die Kamera inklusive montieren Equipment fix und fertig vorbereitet werden. Das Setup muss Aufnahmebereit auf dem Schwebestativ befestigt werden.

Das bedeutet: 

  • Die Speicherkarte muss sich in der Kamera befinden 
  • Sämtliche Akkus müssen eingesetzt werden 
  • Falls vorhanden und gewünscht, den Batteriegriff montieren 
  • Bildschirmdisplay in gewünschte Position bringen 
  • Zusätzliches Equipment, wie beispielsweiße das Mikrophon anstecken und befestigen 
  • Objektiv auf gewünschte Brennweite (falls Zoomobjektiv) einstellen. Für Schwebestative eignen sich am besten Weitwinkelobjektive mit geringer Brennweite – ein eigener Bericht bezüglich Objektivwahl für Schwebestative wird bald auf Gimbal Guru veröffentlicht werden. 
Der Nutzer muss das Kamerasetup so vorbereiten, wie er es auch später auf der Steadycam verwendet.

Tipp: Wer externe Mikrophone verwendet sollte das Kabel, welches Audioeingang und Mikrophon verbindet, mit einem Klebestreifen fixieren, da bereits das frei bewegliche Kabel ausreichen kann um das Schwebestativ aus der Balance zu bringen.


Schnellwechselplatte oder fix montieren?

Schnellwechselplatten sind die eleganteste und sinnvollste Lösung, Kamera und Schwebestativ miteinander zu verbinden. Damit ist es möglich die Kamera schnell von der Steadycam zu lösen und wieder zu fixieren. Wer kein Schnellwechselplattensystem nutzt, muss bei jedem Wechselvorgang die Befestigungsplattform abschrauben und mit einem Schraubenzieher die Kamera von der Befestigungsplattform lösen. Ein sehr aufwendiger um mühseliger Prozess. 

Eine Schnellwechselplatte mit einem Schwebestativ ist nicht zwingend notwendig, jedoch wird der Einsatz unbedingt empfohlen. Bei einigen Setups kann es vorkommen, dass das Objektiv einen zu großen Durchmesser hat und somit die Kamera gar nicht richtig auf die Befestigungsplatte aufgesetzt werden kann. In diesem Fall sind Distanzscheiben notwendig, aber sinnvoller ist gleich ein Schnellwechselplattensystem zu verwenden. Die meisten Steadycams enthalten sogar im Lieferumfang bereits Schnellwechselplattensysteme. 

Ein einheitliches Wechselplattensystem hat den Vorteil, dass die Kamera sofort an anderen Gadgets verwendet werden kann. Sei es ein Stativ oder beispielsweiße ein Kameraslider. Mit einheitlichen Wechselplatten kann die Kamera an anderen Orten montiert werden, ohne lästiges ab und anschrauben. Jeder Filmemacher wird früher oder später auf ein einheitliches Wechselsystem setzen. Außer man hat den Luxus, dass mehrere Kameras zur Verfügung stehen, dann ist überhaupt kein Wechsel mehr nötig.

Vorbereitung

Bevor nun das Schwebestativ eingestellt wird, muss noch die Kamera mit der Steadycam verbunden werden. Entweder mit Schnellwechselplattensystem oder (hoffentlich nicht) ohne. Auch hier müssen ein paar Grundregeln beachtet werden: 
Zuerst muss der ungefähre Schwerpunkt des Kamerasetups gefunden werden. Das hört sich nun komplizierter an als es eigentlich ist. Dazu wird die Kamera einfach auf den ausgestreckten Zeigefinder gelegt und somit die Kippachse gesucht, wo sich die Kamera in Waage befindet. Somit hat man die erste Schwerpunktsachse ermittelt. Bei den meisten Kamerasetups befindet sich diese Achse beim Bajonettverschluss, dort wo das Objektiv mit der Kamera verbunden ist. Die zweite Schwerpunktachse befindet sich meistens etwas mehr auf der Objektivbefestigten Seite. Der Schwerpunkt befindet sich nun genau dort, wo sich die beiden Schwerpunktachsen treffen. 

Nun versucht man den Schwerpunkt auf den Mittelpunkt der Befestigungsplatte des Schwebestatives zu platzieren. Hierfür sind die Löcher in der Befestigungsplatte vorgesehen. Die Kamera wird an jenen Punkt im Lochblech befestigt, sodass der Schwerpunkt möglichst nahe am Mittelpunkt der Befestigungsplatte zu liegen kommt.
 Schwerpunkt des Kamerasystems plaziert (über) den Mittelpunkt der Befestigungsplatte:

Die Befestigungsplatte wird nun auf das Schwebestativ gelegt und mit den Fixierschrauben verbunden. Die Schrauben sollten ordentlich angezogen werden, damit sie sich nicht im Einsatz, oder während des Balanciervorganges lockern. 

Tipp: Keine Angst, es passiert allzu häufig dass man beim ersten Mal die Kamera /Schnellwechselplatte am falschen Loch befestigt. Doch das fällt einem sofort beim Feinjustiervorgang auf, wenn der Einstellbereich nicht ausreicht um die Kamera in Waage zu bringen. Dann ändert man einfach den Befestigungspunkt und testet ob nun der Einstellbereich für den Justiervorgang ausreicht.

Der Balancier/ Justier/ Kalibiervorgang

Um das Schwebestativ optimal nutzen zu können, ist der Justiervorgang das A und O. Es gibt drei veränderbare Parameter die eingestellt werden müssen. Am besten sollten die Parametereinstellungsmöglichkeiten in folgender Reihenfolge angepasst werden: 

1.) Das Gegengewicht an der Unterseite

Um das richtige Gegengewicht zu wählen muss die Kamera inklusive Objektiv abgewogen werden. Im Handbuch kann meist nachgelesen werden, wie viel Gewichtplatten am Schwebestativ befestigt werden müssen, um es optimal auszubalancieren. Meistens kann man sich hier auch auf das persönliche Gefühl verlassen. Für die meisten Kameras reichen 2-3 Gewichtplatten pro Seite. Das Gewicht ist nicht so wichtig, da der im nächsten Abschnitt beschriebene einstellbare Parameter, das Gegenstück dazu bildet. 

Tipp: Wer sein Schwebestativ lange im Einsatz hat und filmt sollte eher weniger Gegengewichtplatten verwenden, da sich jedes Gramm bei einer längeren Einsatzdauer bemerkbar macht, und der Unterarm ziemlich stark belastet wird. 


2.) Der ausfahrbare Schaft

Die Schaftlänge sollte so gewählt werden, dass ein 90° Kippvorgang mit befestigter Kamera und passend gewählten Gegengewicht ca. 2-3 Sekunden dauert. Ist der Kippvorgang zu schnell, muss der Schaft eingefahren werden. Hingegen ist er zu langsam muss der Schaft ausgefahren werden. Nun wird auch jedem bewusst, weshalb das Gegengewicht in einem belieben Bereich verwendet werden kann. Hat man viel Gegengewicht am Schwebestativ montiert, wird es nicht nötig sein den Schaft weit auszufahren. 
Im Gegenzug dazu: Befestigt man eher wenig Gegengewicht an der Steadycam, kann es sein das der Schaft sehr weit ausgefahren werden muss. Allgemein macht es keinen Unterschied, ob der Schaft viel oder wenig ausgefahren ist. Gimbal Guru empfiehlt eher weniger Gegengewichte zu verwenden und den Schaft weiter auszuziehen. Der Grund dafür liegt in der schon angemerkten geringeren Masse des Gesamtsystems, von Schwebestativ und Kamera. 

Tipp: Man sollte auch darauf achten das die Positionierplatte und die Gegengewichtplattform miteinander fluchten.

Die richtige Handgriffführung

Ein nicht unwesentlicher und wichtiger Punkt ist die Halteposition des Handgriffes im Einsatz. Entweder wird der Handgriff Längs zur Schwebestativachse (Filmrichtung) oder Quer zur Achse im Einsatz geführt. Gimbal Guru empfiehlt eine Handgriffführung quer zur Schwebestativachse. Das ist normalerweise auch der übliche Einsatz und bringt diverse Vorteile bei der Schwebestativführung. Das ist ein wichtiges Kriterium, da bei der Feinjustierung die im nächsten Abschnitt beschrieben wird, die Führungsart eine Rolle spielt, um die Steadycam optimal auszubalancieren.

3.) Die Feinjustierung

Zuerst sollten alle Fixierschrauben einmal fest angezogen werden. Nachdem alle festgeschraubt sind, werden sie alle wieder leicht gelockert. Das ist ein wichtiger Schritt, denn falls die Schrauben zu weit geöffnet wurden, kann es nach der Feinjustierung zu einer Disbalance kommen, da bereits minimale Massenverlagerungen das System aus der Gleichgewichtslage bringen. Deshalb die Schrauben nur leicht lockern, damit sie sich später mit ca. ½ Umdrehung wieder festziehen lassen. Somit Verlangen sich die Gewichte der Schrauben nur minimal und beeinflussen die eingestellte Gleichgewichtslage so gut wie gar nicht.

Die Feinabstimmung wird mit den Einstellschrauben durchgeführt. Das Schwebestativ wird dazu auf den Tisch gestellt und anschließend mit der gewünschten Führungshaltung des Handgriffes angehoben. Das System wird sich nun höchstwahrscheinlich in eine Richtung neigen, außer es ist schon ausbalanciert. Durch verändern der Einstellschrauben wird versucht die Kamera in Waage zu bringen. Das ist mit Sicherheit der anspruchsvollste Schritt während des gesamten Justiervorgangs. Viele Schwebestative werden mit Tischklemmen geliefert, wo das Schwebestativ befestigt werden kann. Das erleichtert den Feinjustiervorgang, da nicht ständig die Steadycam gehalten bzw. angehoben werden muss. 

Tipp: Es kann hilfreich sein die Kamera einzuschalten und sich die Wasserwaage (falls die Funktion vorhanden ist) am Display anzeigen zu lassen. Oft ist es auch praktisch die Steadycam mit einer minimal nach vorne geneigten Position einzustellen.

Falls der Einstellbereich der Mikrometerschrauben nicht ausreicht, muss die Kamera bzw. die Schnellwechselplatte auf einem anderen Punkt der Lochplatte (Befestigungsplatte) montiert werden. Das erkennt man daran, dass sich die Kamera noch immer nicht in Balance bringen lässt, obwohl man die Einstellschraube schon maximal in eine Richtung gedreht hat.

Anmerkung:
In äußerst seltenen Fällen kann es vorkommen, dass man sich in einem Totpunkt befindet. Davon spricht man, wenn sich die Kamera auf einem Punkt des Lochblechs befindet und der zur Verfügung stehende Einstellbereich nicht ausreicht, um das System in Balance zu bringen. Setzt man sie auf das nächste anliegende Loch und kippt sie dann in die andere Richtung und lässt sich auch nicht ausbalancieren befindet man sich in einem Totpunkt. In diesem Fall kann es hilfreich sein, ein anders Schnellwechselplattensystem zu verwenden. Eine andere Möglichkeit ist Gewichtsverlagerungen an der Kamera durchzuführen: zum Beispiel durch Anbringen von Zubehör wie ein Mikrofon, oder Ausklappen des Displays. Es gibt immer eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen und damit ist es immer ein Nutzerproblem und kein Fehler des Schwebestatives, wie viele behaupten.

Nachdem sich die Steadycam sich in der justieren Optimalposition befindet, werden die Feststellschrauben fixiert und das System ist bereit für den Einsatz. Nachdem man den Justiervorgang einige Mal durchgeführt hat, entwickelt man immer mehr Routine und wird auch immer schneller. Also nicht verzagen falls es am anfänglich etwas länger dauert, oder nicht sofort klappt.

Man sieht also das es durchaus einige wichtige Punkte zu beachten gibt, doch wer den Einstellvorgang nach dieser Anleitung abarbeitet, wird mit Sicherheit die gewünschten weichen Kamerabewegungen erhalten.

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