Freevision Vilta GoPro Gimbal - Test

12:51

Zur Abwechslung gibt es heute einen neuen Autor, beziehungsweise handelt es sich hier um einen Gastartikel. Gimbal Guru bedankt sich bei Lukas W. für den verfassten Testbericht und die zur Verfügung gestellten Fotos, über das Freevision Vilta GoPro Gimbal.

Ich habe das Freevision Vilta vor einigen Wochen gekauft, warum sollte ich es also nicht testen? Mein Name ist Lukas, und ich bin noch recht neu im Gopro Geschäft, habe aber durch DJI Produkte schon länger Erfahrung mit Gimbals und Actionkameras. Nun kommen wir also zum Test des Freevision Vilta Gimbals, das mich, so viel kann ich schon vorweg nehmen, voll überzeugt hat. Freevision ist ein chinesisches Unternehmen, welches noch nicht sehr lange auf dem Markt ist und mit dem Vilta Gimbal, wahlweise für GoPros oder Smartphones auch nur ein einziges Produkt auf dem Markt hat. Das Produkt ist mit dem Zubehör auch zum DJI Osmo Gimbal kompatibel.

Lieferumfang

Im Lieferumfang enthalten sind:
  • Freevision Vilta Gimbal (Griff und Gimbal selbst) 
  • Transporttasche mit Tragegurt 
  • Adapter für die GoPro 3 und 4 
  • Ladekabel 
  • Quick Start Guide (Englisch) 
  • Optional: Ladeadapter zum Laden der GoPro während des Betriebs

Gimbalaufbau

Das Freevision Vilta Gimbal lässt sich in zwei Varianten nutzen. Als normaler Handheld-Gimbal mit ergonomischem Griff. Dieser ist aus Plastik gefertigt, aber sehr wertig verarbeitet und für einen besseren Halt gummiert. Eine Sicherungsschlaufe ist ebenfalls angebracht. Außerdem ist ein Taster verbaut, mit dem man im Handheld-Mode mit dem Zeigefinger zwischen verschiedenen Modi wechseln kann. Das eigentliche Gimbal ist ein Wearable-Gimbal, was aber im Gegensatz zum Removu S1 nicht direkt sichtbar ist. Das Gehäuse ist ebenfalls aus Kunststoff, aber auch sehr wertig verarbeitet. Die Gelenke in denen die Motoren verbaut sind, sowie die Halterung für die GoPro sind aus Metall. Mit einem Druck auf die „Push“ Taste an der Seite des Gimbals, lässt sich der Griff vom System trennen. Ist dies geschehen übernimmt der An/Aus Schalter zusätzlich die Aufgabe des Modi-Wechsels. Außerdem findet man dort einen Joystick und eine Auslösetaste für die GoPro, welche sich mit der Kamera koppeln lässt und mit einer LED ausgestattet ist. Des Weiteren ist noch eine Status-LED verbaut, an der man die verschiedenen Modi und den Akkustand ablesen kann. Ein weiterer Vorteil des Gimbals ist, dass sich alle 3 Achsen für den Transport verriegeln lassen, also nicht wackeln und kaputt gehen können. Alles in allem hat man das Gefühl mit dem Gimbal ein Stück Qualität in der Hand zu halten. Das Gewicht des Freevision Vilta beträgt 440 Gramm.

Folgende Informationen werden dem Nutzer durch die LED mitgeteilt:
  • Rotes Blinken: Fehler; meistens ist beim Einschalten eine Achse nicht entriegelt 
  • Gelb: Schwenkmodus 
  • Rot: Folgemodus 
  • Grün: Verriegelungsmodus 
  • Blinken der „Power Taste“: niedriger Akkustand - Akku muss aufgeladen werden 
  • (Beim Ladevorgang) Durchgehendes Leuchten: der Ladevorgang ist abgeschlossen 
  • (Bei abgenommenem Handgriff): 4 Status LEDs zeigen den Akkustand des Griffs, bei Druck auf den verbauten Taster
Im Knopf für die GoPro-Steuerung ist außerdem eine LED verbaut, die durch Blinken anzeigt, dass das Gimbal noch eine Verbindung sucht. Erlischt sie, ist die GoPro gekoppelt. Neben den zwei Tasten am Gimbal selbst und dem Taster am Handgriff, verfügt das Gimbal noch über einen Joystick. Mit diesem kann man in jedem Modus die Kamera in alle Richtungen schwenken. Alternativ kann das Gimbal einfach mit der Hand in die gewünschte Position drehen, wo es dann fixiert bleibt. Nutzt man die Handheld Funktion, kann man mit dem Taster am Griff zwischen den Modi wechseln. Einmaliges Drücken stellt das Gimbal in den Schwenkmodus, zweimaliges Drücken in den Folgemodus, dreimaliges Drücken richtet die GoPro wieder nach vorne und drückt man 4-mal hintereinander, kommt man in den Lock-Modus. Im Wearable-Modus kann man durch drücken auf die Power Taste im Kreis durch die Modi schalten. Die Kamera löst, wenn sie einmal unkompliziert gekoppelt ist, durch kurzes drücken auf die Auslösetaste ein Foto aus, und startet ein Video wenn man die Taste zwei Sekunden gedrückt hält. Drückt man während einer Aufnahme kurz, lassen sich auch Highlight-Tags setzen. Den Griff und das Gimbal selbst muss man getrennt voneinander aufladen. Am Gimbal befindet sich die Micro-USB-Buchse an der Seite, beim Griff ist sie im Betrieb unter dem Gimbal selbst versteckt. Am unteren Ende des Handgriffs, und an der Seite des Wearable- Gimbals befindet sich je ein ¼ Zoll Gewindeanschluss, mit dem man das Gimbal an Stativen, Selfie-Sticks usw. befestigen kann. Im Wearable-Mode lässt sich außerdem eine GoPro Halterung ausklappen, die mit jedem GoPro Zubehör kompatibel ist.

Betriebsdauer und Energieversorgung

Das Freevision Vilta Gimbal verfügt über einen 350mAh Akku im Wearable-Gimbal und einen zusätzlichen 2000mAh Akku im Griff. Damit lassen sich ohne Griff 1.2 Stunden und mit, bis zu 7 Stunden Aufnahmen erreichen. Durch einen zusätzlich erhältlichen Adapter kann man die GoPro auch über das Gimbal laden. Diese Funktion gibt es nur, wenn der große Akku des Hauptgriffes angeschlossen ist. Dabei verringert sich die Akkulaufzeit laut Hersteller auf 6 Stunden. Allerdings kann man das Gimbal während dem Betrieb an eine Powerbank anschließen und so die Betriebsdauer verlängern. Um die Akkus aufzuladen werden ungefähr 3 Stunden an einem Micro-USB-Kabel benötigt. Während dem Ladevorgang blinkt die Status-LED grün, ist der Akku voll, leuchtet sie dauerhaft. Laut Hersteller lassen sich auch zusätzliche Griffe erwerben, um im Betrieb einfach tauschen zu können, ich konnte in Deutschland allerdings noch keinen Händler dafür finden.

Unterstützte Kameramodelle

Vom Freevision Vilta werden nur GoPro Kameras unterstützt. Die Hero 5 und 6 Black passen ohne weiteres Zubehör in die Fassung. Dabei schiebt man die Kamera einfach hinein und dreht oben ein kleines Schräubchen fest. Dieses fixiert die Kamera an ihrer Position. Der Teller, der gegen die Kamera drückt hinterlässt dabei im Gummi der GoPro einen kleinen Kreis, welcher aber wieder verschwindet, wenn die GoPro ohne Gimbal ein paar Stunden liegt. Wer eine Gopro 3 oder 4 hat, braucht trotz der anderen Größe kein weiteres Zubehör kaufen – Dafür liegt ein Adapter bei. Da man die GoPro ohne Probleme von Hand drehen kann und hinter dem Bildschirm viel Platz ist, ist es auch leicht möglich während des Betriebs den Touchscreen zu bedienen.

Einsatzwinkel & Modi

Das Gimbal weißt folgende Betriebswinkel auf:
  • Schwenkwinkelbereich: 360° 
  • Neigungswinkelbereich: -45° bis 100° 
  • Rollwinkelbereich: ±40° 
Dem Nutzer stehen folgende Modi zur Verfügung:

  • Semi-Follow Mode (Schwenkmodus):
    Dieser Modus ist standartmäßig beim Einschalten aktiviert. Hat man ihn umgestellt, kann man durch einmaliges Drücken auf den Taster am Griff wieder dorthin gelangen. Es werden Neig- und Rollbewegungen ausgeglichen und das Gimbal folgt langsam den Schwenkbewegungen. Dieser Modus wird meistens beim Filmen verwendet. Die LED leuchtet hierbei gelb. 
  • Follow-Mode (Schwenk- &Kippmodus): 
    Um in diesen Modus zu gelangen, drückt man zwei Mal auf die Taste. Ist er aktiviert, folgt das Gimbal der Neig und Schwenkbewegung, die Rollbewegung wird stabilisiert. Die LED leuchtet rot. 
  • Lock-Mode (Verriegelungsmodus):
    Drückt man 4-mal auf den Taster, gelangt man ich den Lock-Modus. Drückt man drei Mal richtet sich die GoPro in jedem Modus wieder nach vorne aus. Dabei wird allen Bewegungen entgegengesteuert und die Kamera schaut immer in eine Richtung. Will man diese ändern, kann man das über den Joystick tun, oder man dreht die Kamera einfach von Hand in die gewünschte Position. Dabei leuchtet die LED grün. 
  • [Invert Mode (Umkehrmodus):] 
    Natürlich kann man mit dem Vilta auch Aufnahmen knapp über dem Boden machen. Einen speziellen Modus gibt es dafür nicht. Man dreht einfach den Griff um und dreht die GoPro wieder so, wie man sie haben möchte. Einfacher ist es, wenn man das Gimbal schon auf dem Kopf einschaltet. Dann richtet er sich automatisch aus. 
  • Sleep (Schlafmodus):
    Durch einmaliges kurzes Drücken auf den Powerknopf kann man das Gimbal in den Schlafmodus versetzen. Es ist noch an, aber die Stabilisierung ist aus. So spart man sich Zeit beim Einschalten, wenn es schnell gehen muss. Ein Druck auf den Power Knopf und das Gimbal ist sofort wieder einsatzbereit. 
  • Kalibrieren:
    Das Kalibrieren ist wohl einer der großen Vorteile des Gimbals. Es kalibriert sich bei jedem einschalten einfach selbst. Das sieht recht lustig aus. Es dreht sich dabei in jede Richtung bis zum Anschlag und führt einen kleinen Tanz auf. Danach schaut es ausnahmslos immer in die richtige Richtung und ist gerade ausgerichtet.Trotzdem lässt es sich in der App noch kalibrieren. Dazu wird das Gimbal auf eine ebene Oberfläche gelegt und der Kalibrier-Modus gestartet. Der Rest geht von alleine.

Steuerung über die APP

Leider gibt es die Freevision App nicht im App Store / Playstore zum Download. Stattdessen muss man direkt auf der Homepage von Freevision eine Apk-Datei herunterladen. Neben der Berechtigung für Medien und Dateien fordert sie Zugriff auf den Standort, so wie die normale GoPro App auch. Ohne diese Berechtigungen verweigert die App ihre Arbeit. Findet man sich damit ab, gibt es zwei Möglichkeiten zum Einrichten. Einmal kann man nur das Gimbal verbinden. Dies hat den Vorteil, dass man es direkt über die App steuern kann. Man hat einen Joystick auf dem Display, kann Geschwindigkeit der Nachführung, des Joysticks usw. einstellen, das Gimbal updaten und auch andere Daten wie z.B. Lebensdauer und Akkustand einsehen. Außerdem lässt sich der „Denoising“ Mode ausschalten. Das bedeutet, dass die Motoren ihre volle Leistung abrufen, wie man es bei sehr sportlichen Aufnahmen braucht. Die Ton-Aufnahmen werden hierbei unbrauchbar, dafür hat man aber richtig Power. Das Verbinden des Gimbals alleine klappt recht unkompliziert, ob es einen Mehrwert bietet hängt wohl von den äußeren Umständen ab. 

Überzeugt hat mich Möglichkeit zwei. Das Verbinden von GoPro, Gimbal und Smartphone. Das einzurichten ist etwas komplizierter, aber auch zu schaffen. Ich musste erst alle früheren Verbindungen der GoPro trennen und dann alles neu einrichten. Danach funktionierte aber alles. Man kann sagen, dass die volle Version der Freevision App die GoPro App unnötig macht. Das Livebild der GoPro wird zugegeben mit einer Latenz von knapp 2 Sekunden, in die App übertragen, es lassen sich die GoPro Einstellungen ändern, man kann auch Aufnahmen auf der SD-Karte der GoPro zugreifen und diese downloaden. Trotzdem kann man natürlich noch das Gimbal steuern. Selbst der GoPro Akkustand wird angezeigt.

Einsatz

Im Betrieb liefert das Freevision Vilta perfekte Stabilisationsergebnisse, auch bei sportlichen Aktivitäten und leistet sich keine Ruckler. Wer es sehr sportlich mag, kann mit dem Speedmode nochmal eine Stufe höher gehen, was aber eigentlich nicht von Nöten ist. Bei Einsatz über mehrere Stunden kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass sich die Kalibrierung verstellt, ein Aus- und wieder Einschalten kann hier Abhilfe schaffen. Für den Einsatz im Wasser ist das Gimbal leider nicht geeignet, da es nicht Wasserdicht ist. Der Hersteller wirbt auch nicht mit einem Spritzwasserschutz. Ansonsten ist es wirklich multifunktional.


Fazit

Das Freevision Vilta Gimbal hinterlässt einen nahezu perfekten Eindruck. Die Verarbeitungsqualität ist top, der Akku hält lange durch, es besteht die Möglichkeit die GoPro über das Gimbal im Betrieb zu laden, die Stabilisierungsergebnisse lassen keine Wünsche offen und die App sollte auch den Letzten von einem top Produkt überzeugen. Einige Kritikpunkte gibt es trotzdem:

  • Das Gimbal ist nicht Wasserdicht, obwohl die Grundvoraussetzungen, wie eine abgedeckte USB-Buchse gegeben ist. 
  • In sehr seltenen Fällen verstellt sich die Kalibrierung während den Aufnahmen. Dies sollte eigentlich softwareseitig behoben werden können. Das letzte Update konnte ich gerade erst downloaden, sollte sich etwas bessern, werde ich das natürlich nachreichen. 
  • Der Abdruck, den die Befestigung auf der Gopro hinterlässt hätte man auch vermeiden können. Da er aber wieder verschwindet ist das verkraftbar. 
  • Den Ladeadapter für die GoPro am Gimbal hätte man auch in den Lieferumfang legen können, anstatt ihn für ca. 10€ extra zu verkaufen. 
Ich empfehle das Gimbal uneingeschränkt jedem weiter, egal für welchen Zweck. Durch die Wearable-Gimbal-Funktion kann man ihn auch für Aktivitäten benutzen, bei denen man keine Hände frei hat. Lediglich für den Einsatz im Wassersport sollte man sich nach etwas anderem, wie etwa dem Feiyu Tech WG2 umsehen. Eine Alternative wäre auch das Removu S1, wenn man Wert auf Wasserfestigkeit legt. Wer unbedingt eine Verbindung mit der Kamera und ein Livebild haben möchte, ist mit dem Karma Grip auch gut beraten, wobei dieser bis auf die Einbindung in die originale GoPro App keinen echten Mehrwert bietet. Das Freevision Vilta hat zwar einen etwas höheren Preis als diverse Mitbewerber, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt aber und auch im Vergleich mit den günstigen Konkurrenzprodukten bietet es einiges an Mehrwert. Hier geht es weiter zum Freevision Vilta im LUUV Onlineshop.

Gesamt
●●●●●●●
8.2/10
Stabilisation
●●●●●●●
10/10
Einsatz
●●●●●●●●●
9/10
Akkulaufzeit
●●●●
8/10
Kompatibilität
●●●●●●
6/10
Preis
●●●●○○
7/10
Hier geht es weiter zur GoPro Gimbal Bestenliste...

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